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Drehbuch-Beispiel: Zwei Seiten im richtigen Format – und was daran zu lernen ist

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 3 Minuten3 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Beispiel 1: „Erlebnisse im Lechtal“, Szenen 1 und 2
  2. Beispiel 2: „Der Brief“, eine Szene
  3. Woran du ein gutes Drehbuch erkennst
  4. Mehr Beispiele
  5. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Beispielszenen im Standardformat, Element für Element kommentiert.
  • Woran man ein gutes Drehbuch erkennt: knappe Handlung, Subtext im Dialog, Figuren, die beim ersten Auftritt sichtbar werden.
  • Die Leseprobe unseres Buches enthält das Beispiel „Erlebnisse im Lechtal“ als PDF.
  • Für mehr: Originaldrehbücher lesen – wo, steht unter Drehbücher lesen.

Nichts erklärt ein Drehbuch so gut wie ein Drehbuch. Hier sind zwei Beispielseiten – die erste aus unserem Buch „Vom Kopfkino zum Drehbuch“, die zweite ein kurzes Kammerspiel –, jeweils mit Erklärung, was auf der Seite passiert und warum sie so aussieht.

Beispiel 1: „Erlebnisse im Lechtal“, Szenen 1 und 2

1.

1. AUSSEN. BERGSCHLUCHT IN TIROL – TAG

Der kalte Wind treibt Schneewehen vor sich her. Hohe Berge, die Sonne erreicht nur einzelne Ecken des Dorfes. Ein Jeep fährt in steilen Serpentinen hinab ins Tal, rast an Schneewehen und Schluchten vorbei.

2. INNEN. JEEP – TAG

LUTZ (30) fährt waghalsig. Neben ihm SARAH (28), die Hände um den Haltegriff.

SARAH

(gepresst)

Kannst du etwas langsamer fahren?

LUTZ

Keine Angst. Ich kenne die Strecke wie meine Hosentasche.

Sarah beißt sich auf die Lippe. Plötzlich beginnt der Motor zu STOTTERN. Sie sehen sich an.

SCHNITT ZU:

Was hier passiert:

  • Szene 1 ist ein Establishing Shot in Worten: Landschaft, Wetter, ein Jeep. Kein Dialog, drei Zeilen – der Leser weiß, wo wir sind, und spürt die Gefahr (Serpentinen, Schluchten), bevor jemand spricht.
  • Szene 2 führt die Figuren ein: LUTZ und SARAH in Großbuchstaben, mit Alter und einem Detail, das Charakter zeigt (waghalsig / die Hände um den Haltegriff). Keine Lebensläufe.
  • Der Dialog sagt nicht „Ich habe Angst“ und „Ich bin leichtsinnig“ – er zeigt es. Die Klammer (gepresst) steht da, weil sie etwas hinzufügt, was aus den Worten nicht hervorgeht.
  • STOTTERN in Großbuchstaben: ein Geräusch, das für die Handlung wichtig ist und das die Tonabteilung finden muss.
  • SCHNITT ZU: ist hier eigentlich überflüssig – jeder Szenenwechsel ist ein Schnitt. Im Buch steht er, weil Anfänger ihn kennen sollen. In deinem Drehbuch kannst du ihn weglassen.

Beispiel 2: „Der Brief“, eine Szene

1.

INNEN. KÜCHE – MORGEN

Die Kaffeemaschine röchelt. LENA (34, Krankenschwester, noch in Dienstkleidung) starrt auf einen Brief auf dem Tisch. Sie fasst ihn nicht an.

TOM (36) kommt herein, bleibt in der Tür stehen.

TOM

Du hast ihn aufgemacht.

LENA

(ohne aufzusehen)

Er lag offen da.

TOM

Das ist nicht dasselbe.

Sie schiebt den Brief über den Tisch. Er liest. Lange.

TOM (FORTS.)

Wann wolltest du es mir sagen?

LENA

Jetzt.

AUSSEN. KRANKENHAUS, PARKPLATZ – TAG

Lena sitzt im Auto, Motor aus. Das Handy vibriert. Sie dreht es um.

Was hier passiert:

  • Die erste Zeile ist ein Geräusch und ein Bild (Kaffeemaschine, Brief). Der Mangel der Figur – sie fasst den Brief nicht an – steht in der dritten Zeile, ohne dass jemand ihn benennt.
  • Der Konflikt ist von der ersten Dialogzeile an da: Jeder will etwas vom anderen, keiner sagt, was. Niemand erklärt, was im Brief steht; der Zuschauer erfährt es, wenn die Figuren es erfahren – oder gar nicht.
  • TOM (FORTS.) zeigt, dass Tom nach dem Handlungsabsatz weiterspricht.
  • „Lange.“ als eigener Satz: So schreibt man eine Pause ins Drehbuch. Nicht „(Pause)“ in der Klammer, nicht „Er schweigt eine Weile“.
  • Die zweite Szene ist drei Zeilen und ein Bild. Wie Lena dorthin kam, wird nicht erzählt; der Schnitt erzählt es.

Woran du ein gutes Drehbuch erkennst

  1. Weißraum. Gute Drehbuchseiten sind luftig: kurze Absätze, viel Dialogspalte. Schwarze Seiten voller Handlung lesen sich wie Romane und sind es meistens auch.
  2. Tempo in der Handlung. Jeder Absatz ist ein Bild; Sätze sind kurz; Verben tragen. „Sie schiebt den Brief über den Tisch“ statt „Mit einer langsamen Bewegung schiebt sie den Brief, der vor ihr liegt, über die Tischplatte zu ihm hinüber“.
  3. Subtext. Figuren sagen nicht, was sie fühlen. Siehe Dialoge schreiben.
  4. Figuren, die handeln. Jede Figur wird mit etwas eingeführt, das sie tut – nicht mit einer Beschreibung.
  5. Keine Regie. Keine Kamerawinkel, keine Musik, keine Anweisungen an Schauspieler außer in Klammern, und die selten.

Mehr Beispiele

Die kostenlose Leseprobe (PDF) zeigt das Lechtal-Beispiel als vollständige Seite im Buchlayout. Vollständige Originaldrehbücher – auf Deutsch leider selten, auf Englisch tausende – findest du unter Drehbücher lesen. Wer das Format selbst ausprobieren will: Der Formatierer macht aus deinem Text in Sekunden eine Seite wie oben; die Vorlage gibt es als Word- und Fountain-Datei.

Häufige Fragen

Gibt es ein Drehbuch-Beispiel als PDF?

Ja: Die kostenlose Leseprobe unseres Buches enthält das Beispiel „Erlebnisse im Lechtal“ im Buchlayout. Vollständige Originaldrehbücher als PDF gibt es auf Englisch bei IMSDb und Script Slug – siehe Drehbücher lesen.

Wie schreibe ich eine Pause ins Drehbuch?

Als eigenen kurzen Satz in der Handlung: „Lange.“ oder „Er sagt nichts.“ – nicht als (Pause) in der Klammer. Drei Punkte im Dialog zeigen ein Zögern, ein Gedankenstrich einen Abbruch.

Wie führe ich eine Figur im Drehbuch ein?

Beim ersten Auftritt in Großbuchstaben mit Alter und zwei Worten, die Charakter zeigen: LENA (34, Krankenschwester, noch in Dienstkleidung). Danach normal geschrieben. Keine Lebensläufe, kein Aussehen über das Nötige hinaus.

Quellen

  1. Internet Movie Script Database – Originaldrehbücher (englisch) – https://imsdb.com/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. Script Slug – aktuelle Drehbücher als PDF (englisch) – https://www.scriptslug.com/ (abgerufen 10.10.2026)
  3. Field, Syd: Das Drehbuch. Die Grundlagen des Drehbuchschreibens. Autorenhaus Verlag – https://www.autorenhaus.de/ (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Erstmals veröffentlicht im Juli 2015, vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.

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