Drehbuch-Glossar: Die wichtigsten Begriffe von Beat bis Voice-over
Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 4 Minuten3 Quellen
Inhalt dieser Seite
Das Wichtigste in Kürze
- Alphabetisches Glossar der Begriffe, die dir in Handbüchern, Verträgen und Redaktionsgesprächen begegnen.
- Deutsche und englische Begriffe nebeneinander, weil die Branche beides benutzt.
- Verlinkt auf die ausführlichen Artikel.
Die Drehbuchbranche spricht Denglisch: Redakteure reden von Beats und Plot Points, Verträge von Optionen und Fassungen, Handbücher von Sluglines und Spec Scripts. Hier die Begriffe, die du kennen solltest, in Kürze.
A bis E
- Akt
- Großer Abschnitt der Handlung. Spielfilme haben meist drei (Einführung, Konfrontation, Auflösung), Serienfolgen vier bis fünf. → Aufbau
- Antagonist / Gegenspieler
- Figur oder Kraft, die dem Ziel der Hauptfigur entgegensteht. Braucht eigene Gründe. → Figuren
- Auslösendes Ereignis (Inciting Incident)
- Das Ereignis um 10 % des Films, das den Alltag der Figur stört und die Geschichte in Gang setzt.
- B-Story
- Nebenhandlung, oft eine Beziehung, die das Thema des Films spiegelt und im dritten Akt mit der Haupthandlung zusammenläuft.
- Beat
- Kleinste Einheit der Handlung: ein Moment, in dem sich etwas ändert. Auch: Station in einer Strukturliste (Beat Sheet). In Klammern im Dialog: (beat) = kurze Pause.
- Bibel (Serienbibel)
- Konzeptdokument einer Serie: Welt, Figuren, Staffelbogen, Episoden. 10–40 Seiten.
- Cliffhanger
- Offenes, spannendes Ende einer Szene, eines Akts oder einer Folge, das zum Weitersehen zwingt.
- Dramaturg / Dramaturgin
- Berät Autor, Redaktion oder Produktion zur Struktur und Wirkung eines Stoffes; bei Sendern oft die Redakteurin selbst.
- Drehfassung (Shooting Script)
- Die Fassung, nach der gedreht wird: mit Szenennummern, oft mit Kamera- und Regieanmerkungen, die im Spec Script nichts zu suchen haben.
- Exposé
- 1–3 Seiten Prosa, die die ganze Geschichte mit Ende erzählen. Erstes Dokument, das Redaktionen lesen. → Exposé
- Exposition
- Vermittlung der Ausgangslage – Figuren, Welt, Vorgeschichte. Im ersten Akt nötig, im Dialog gefährlich („Wie du weißt, Bruder …“).
F bis M
- Fassung
- Eine vollständige Version des Drehbuchs. Verträge legen fest, wie viele Fassungen (meist zwei bis drei plus Polish) bezahlt sind. → So entsteht ein Drehbuch
- Figurenbogen (Character Arc)
- Die Veränderung einer Figur vom Anfang zum Ende.
- FORTS. / CONT'D
- Hinter dem Figurennamen: Die Figur spricht nach einem Handlungsabsatz oder Seitenumbruch weiter.
- Fountain
- Offene Schreibweise für Drehbücher in reinem Text; von vielen Programmen importierbar. → Format
- Heldenreise
- Zwölfstufiges Strukturmodell nach Campbell/Vogler: von der gewohnten Welt über die Schwelle bis zur Rückkehr mit dem Elixier.
- Klammer (Parenthetical)
- Kurze Anweisung in Klammern zwischen Figurenname und Dialog: (leise), (ohne aufzusehen). Sparsam.
- Logline
- Ein bis zwei Sätze, die den Film erzählen: Figur, Ziel, Gegenkraft, Einsatz. → Logline
- MacGuffin
- Hitchcocks Begriff für das Objekt, hinter dem alle her sind und das selbst egal ist (der Koffer, die Mikrofilme).
- Mittelpunkt (Midpoint)
- Wendung in der Mitte des zweiten Akts: Scheinsieg oder Scheinniederlage, der Einsatz steigt.
- Montage
- Folge kurzer Bilder, die Zeit raffen (Training, Reise, Verfall). Im Drehbuch als MONTAGE mit Stichpunkten.
N bis S
- O.S. / OFF
- Off Screen: Die Figur ist in der Szene, aber nicht im Bild (Nebenzimmer, hinter der Tür).
- Option
- Vertrag, mit dem ein Produzent für einen Zeitraum (meist 12–18 Monate) das Recht erwirbt, einen Stoff zu entwickeln und zu verfilmen – gegen eine kleine Gebühr, die beim Kauf verrechnet wird. → Option
- Pitch
- Mündliche Vorstellung eines Stoffes in wenigen Minuten.
- Plot Point / Wendepunkt
- Ereignis, das die Richtung der Geschichte ändert; die großen stehen am Ende des ersten und zweiten Akts.
- Polish
- Letzte, kleine Überarbeitung (Dialoge, Details) vor dem Dreh; oft als eigene Vertragsstufe.
- Prämisse
- Die Grundsituation der Geschichte in einem Satz; Vorstufe der Logline.
- Protagonist / Hauptfigur
- Die Figur, deren Ziel die Handlung trägt und deren Entscheidung den Höhepunkt bildet.
- Redaktion / Redakteur
- Beim Sender die Person, die Stoffe auswählt, Autoren betreut und die Entwicklung begleitet. Erste Adresse fürs Einreichen. → Einreichen
- Sequenz
- Folge von Szenen mit eigenem Mini-Ziel, 10–15 Minuten; ein Spielfilm hat etwa acht.
- Slugline / Szenenüberschrift
- INNEN./AUSSEN. ORT – TAGESZEIT. Beginnt jede Szene. → Format
- Spec Script
- Ein auf eigenes Risiko („on speculation“) geschriebenes Drehbuch ohne Auftrag – das, was Anfänger einreichen.
- Stoff
- Branchenwort für eine Geschichte in jeder Entwicklungsstufe (Idee, Exposé, Treatment, Drehbuch).
- Storyboard
- Gezeichnete Bildfolge der Einstellungen. Entsteht aus dem Drehbuch, gehört zur Regie – kein Teil des Drehbuchs.
- Subtext
- Das, was unter den Worten liegt: Figuren sagen nicht, was sie meinen. → Dialoge
- Szene
- Handlungseinheit an einem Ort in einer Zeit. Neuer Ort oder Zeitsprung = neue Szene.
T bis Z
- Treatment
- 10–30 Seiten Prosa, Szene für Szene, ohne Dialog. Zwischen Exposé und Drehbuch; oft erste Vertragsstufe. → Treatment
- Übergang (Transition)
- SCHNITT ZU:, ÜBERBLENDE ZU:, ABBLENDE. – rechtsbündig, sparsam.
- V.O. (Voice Over)
- Stimme von außerhalb der Szene: Erzähler, Telefon, Gedanken.
- VDD
- Verband Deutscher Drehbuchautoren – Berufsverband mit Vertragsberatung, Vergütungsregeln und Netzwerk.
- Vergütungsregeln
- Zwischen VDD und Sendern/Produzenten vereinbarte Honorarregeln für Drehbücher. → Gehalt
- Wendepunkt
- → Plot Point.
- Zweispalten-Skript
- Format für Werbung, Dokumentation, Erklärfilm: links Bild, rechts Ton. Für Spielfilme ungebräuchlich.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Exposé und Treatment?
Das Exposé erzählt die Geschichte auf 1–3 Seiten, das Treatment auf 10–30 Seiten Szene für Szene. Das Exposé wird zuerst verlangt, das Treatment nach einer Zusage – und oft bezahlt.
Was bedeutet Spec Script?
Ein Drehbuch, das ohne Auftrag auf eigenes Risiko geschrieben wurde („on speculation“). Fast alle Erstlingsdrehbücher sind Spec Scripts.
Was ist eine Option?
Ein Vertrag, mit dem ein Produzent für eine begrenzte Zeit das Recht kauft, einen Stoff zu entwickeln und zu verfilmen – gegen eine kleine Gebühr, die beim späteren Kauf verrechnet wird.
Quellen
- Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) – https://www.vdd-ev.de/ (abgerufen 10.10.2026)
- Field, Syd: Das Drehbuch. Die Grundlagen des Drehbuchschreibens. Autorenhaus Verlag – https://www.autorenhaus.de/ (abgerufen 10.10.2026)
- Fountain – Syntax der offenen Drehbuch-Auszeichnung – https://fountain.io/syntax/ (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Erstmals veröffentlicht im Juni 2015, vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.
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