Zum Inhalt springen

Drehbuchautor werden: Studium, Ausbildung, Quereinstieg – und was man verdient

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 5 Minuten10 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Die vier Wege
  2. Studium: die Filmhochschulen
  3. Drehbuchschulen und Werkstätten
  4. Fernlehrgang
  5. Quereinstieg: der Weg, den alle gehen
  6. Was Drehbuchautoren verdienen
  7. Was man mitbringen sollte
  8. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt keinen vorgeschriebenen Weg: Studium an einer Filmhochschule, Drehbuchschule, Fernlehrgang oder Quereinstieg mit eigenen Stoffen – alle vier führen in die Branche.
  • Fünf staatliche Filmhochschulen bilden Drehbuch aus (Ludwigsburg, Berlin, München, Babelsberg, Köln); Aufnahme über Mappe und Prüfung, wenige Plätze.
  • Honorare: Ein Fernsehfilm-Drehbuch wird nach Vergütungsregeln bezahlt, grob fünfstellig; die meisten Autoren arbeiten frei und schwankend.
  • Was wirklich zählt: ein fertiges, gutes Drehbuch als Arbeitsprobe – egal, wo man es gelernt hat.

Drehbuchautor ist kein geschützter Beruf, es gibt keine Kammer, keine Pflichtausbildung und keine Zulassung. Drehbuchautor ist, wer Drehbücher schreibt, die verfilmt werden. Die Frage ist also nicht „Welchen Abschluss brauche ich?“, sondern „Wie komme ich zu einem Drehbuch, das jemand kauft – und zu den Menschen, die kaufen?“. Dafür gibt es vier Wege, die sich nicht ausschließen.

Die vier Wege

WegDauerKostenWas er bringtFür wen
Studium Filmhochschule3–5 JahreSemesterbeitrag (staatlich)Handwerk, Mentoren, Mitstudierende, die später Regie und Produktion machen; Abschlussfilme als ReferenzUnter 30, bereit für Aufnahmeprüfung und Umzug
Drehbuchschule / Werkstatt1–2 Jahre berufsbegleitendmehrere tausend EuroEntwicklung eines eigenen Stoffs mit Profis, Kontakte zu RedaktionenMit erstem Drehbuch, berufstätig
Fernlehrgang12–18 Monateca. 1.500–2.500 €Grundlagen mit Korrektur, Zertifikat, eigenes TempoEinsteiger ohne Vorkenntnisse, abseits der Filmstädte
QuereinstiegoffenBücher, ZeitSpec Scripts, Kurzfilme, Wettbewerbe, NetzwerkAlle – auch die ersten drei enden hier

Studium: die Filmhochschulen

Fünf staatliche Hochschulen bieten Drehbuch als eigenen Studiengang oder Schwerpunkt, dazu einige private:

  • Filmakademie Baden-Württemberg (Ludwigsburg): Studiengang Drehbuch/Dramaturgie, projektbezogen, enge Zusammenarbeit mit Regie- und Produktionsstudierenden.
  • dffb (Berlin): Drehbuch als Studienrichtung, kleine Jahrgänge, Autorenfilm-Tradition.
  • HFF München: Drehbuch im Studiengang Produktion und Medienwirtschaft bzw. als Schwerpunkt, dazu die Drehbuchwerkstatt München als Fortbildung.
  • Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf (Potsdam): Bachelor und Master Drehbuch/Dramaturgie, die älteste Filmhochschule Deutschlands.
  • ifs internationale filmschule köln: Bachelor Film mit Schwerpunkt Drehbuch, Master Serial Storytelling.
  • Hamburg Media School: Master Film mit Schwerpunkt Drehbuch, zweijährig, Abschlussfilme mit Festivalerfolgen.

Alle nehmen über Bewerbungsmappe (eigene Texte, meist ein Kurzfilmdrehbuch und ein Exposé) und mehrstufige Prüfungen auf; die Quoten liegen bei wenigen Prozent. Was das Studium bringt, ist weniger das Handwerk – das steht in Büchern – als die Mitstudierenden: Wer mit den Regisseuren und Produzenten von morgen studiert hat, hat in zehn Jahren ein Netzwerk, das kein Fernlehrgang bietet. Wer die Aufnahme nicht schafft: Viele Hochschulen bieten Werkstätten und Weiterbildungen für Externe.

Drehbuchschulen und Werkstätten

Die Masterschool Drehbuch in Berlin bildet seit den 1990ern berufsbegleitend aus, mit Dozenten aus der Branche und Kontakt zu Redaktionen; die Drehbuchwerkstatt München an der HFF entwickelt in einem Jahr mit ausgewählten Teilnehmern einen Stoff bis zur Drehreife. Dazu kommen Programme der Länderförderungen (etwa Stoffentwicklungs-Workshops der MFG, der Filmstiftung NRW, des Medienboards) und Werkstätten wie die Drehbuchwerkstatt Nord. Gemeinsam ist ihnen: Man bewirbt sich mit einem Stoff und arbeitet an ihm – das Ergebnis ist ein Drehbuch plus Kontakte. Kosten und Zugang variieren; einige sind gefördert und kostenlos, andere kosten mehrere tausend Euro.

Fernlehrgang

ILS und Laudius bieten Fernlehrgänge „Drehbuchautor/in“ über 12 bis 18 Monate an: Studienhefte, Einsendeaufgaben mit Korrektur, Abschlusszertifikat. Sie vermitteln die Grundlagen – Struktur, Figuren, Dialog, Format – solide und mit Feedback, haben aber keinen Draht in die Branche; das Zertifikat öffnet keine Redaktionstür. Sinnvoll für alle, die eine Struktur zum Lernen brauchen und keinen Zugang zu Werkstätten haben. Details, Kosten und Ablauf unter Fernstudium Drehbuchautor.

Quereinstieg: der Weg, den alle gehen

Die meisten Drehbuchautoren im deutschen Fernsehen haben nicht Drehbuch studiert. Sie kamen aus Journalismus, Theater, Werbung, Regie, Schauspiel, Lektorat – und hatten irgendwann ein Drehbuch, das jemand las. Der Quereinstieg besteht aus vier Dingen, die man parallel tut:

  1. Ein fertiges Spec Script. 90 Seiten, überarbeitet, im Format. Das ist die Arbeitsprobe. Ohne sie kein Gespräch. Anleitung: Wie schreibt man ein Drehbuch?
  2. Ein gedrehter Kurzfilm. Selbst mit Freunden produziert, auf zwei Festivals gelaufen. Beweist, dass du weißt, was ein Drehbuch für ein Team bedeutet. → Kurzfilm
  3. Wettbewerbe und Werkstätten. Drehbuchpreise, Nachwuchsprogramme der Sender und Förderer, Pitching-Wettbewerbe – sie sind der einzige Weg, mit einem Stoff ohne Kontakt gelesen zu werden. → Einreichen
  4. Menschen. Festivals, Branchentreffen, Autorengruppen, der VDD. Wer Redakteure kennt, bekommt Antworten; wer sie nicht kennt, Formbriefe.

Was Drehbuchautoren verdienen

Die ehrliche Antwort: schwankend, und für die meisten weniger, als man denkt. Fast alle Drehbuchautoren sind freiberuflich; es gibt kein Gehalt, sondern Honorare pro Projekt. Für Fernsehfilme und Serien der öffentlich-rechtlichen Sender gelten Vergütungsregeln, die der VDD mit Sendern und Produzentenverbänden ausgehandelt hat; sie staffeln nach Format, Länge und Erfahrung und sehen zusätzlich Erfolgsbeteiligungen und Wiederholungshonorare vor. Grob: Ein 90-minütiger Fernsehfilm bringt für Treatment und Drehbuch (mehrere Fassungen) einen mittleren fünfstelligen Betrag, verteilt über ein bis zwei Jahre Entwicklung; Serienfolgen entsprechend weniger pro Folge, dafür mehrere. Kinofilme werden über Förderung finanziert; Drehbuchförderung der FFA und der Länder zahlt Stipendien und Honorare für die Entwicklung. Verbindliche Zahlen stehen beim VDD; was wir hier nennen, sind Größenordnungen ohne Gewähr.

Das bedeutet in der Praxis: Ein Autor, der jedes Jahr einen Fernsehfilm verkauft, lebt davon; einer, der alle drei Jahre einen verkauft, nicht. Die meisten kombinieren – mit Lektorat, Dramaturgie, Lehre, Journalismus, Werbetexten. Die oft zitierten Hollywood-Summen (WGA-Mindesthonorare ab etwa 100.000 Dollar für ein Original-Drehbuch, Spitzenhonorare in Millionen) gelten für einen anderen Markt mit Agenten, Gewerkschaft und einem Vielfachen an Produktionen.

Was man mitbringen sollte

  • Ausdauer. Ein Drehbuch dauert ein Jahr, der Verkauf oft länger, die Produktion noch länger. Zwischen Idee und Ausstrahlung vergehen bei Fernsehfilmen drei bis fünf Jahre.
  • Kritikfähigkeit. Redaktionen, Produzenten, Regisseure und Dramaturgen reden mit – das ist der Beruf, nicht die Ausnahme. Wer sein Werk nicht ändern will, schreibt Romane.
  • Interesse an Menschen. Drehbücher bestehen aus Figuren, Figuren aus Beobachtung.
  • Handwerk. Format, Struktur, Dialog – lernbar, aber nicht verhandelbar.
  • Eine zweite Einkommensquelle für die ersten Jahre.

Fehlt eines davon, heißt das nicht, dass du es lassen sollst. Es heißt, dass du es weißt. Der nächste Schritt ist in jedem Fall derselbe: ein fertiges Drehbuch. Hier entlang.

Häufige Fragen

Braucht man ein Studium, um Drehbuchautor zu werden?

Nein. Der Beruf ist nicht geschützt; die meisten Fernsehautoren sind Quereinsteiger. Ein Studium bringt Mentoren und ein Netzwerk, ersetzt aber nicht das fertige Drehbuch als Arbeitsprobe.

Wie viel verdient ein Drehbuchautor in Deutschland?

Honorare pro Projekt, keine Gehälter. Ein 90-minütiger Fernsehfilm bringt nach den Vergütungsregeln grob einen mittleren fünfstelligen Betrag über ein bis zwei Jahre Entwicklung. Die meisten Autoren haben weitere Einkommen. Verbindliche Zahlen beim VDD.

Wo kann man Drehbuch studieren?

Filmakademie Baden-Württemberg (Ludwigsburg), dffb (Berlin), HFF München, Filmuniversität Babelsberg (Potsdam), ifs Köln, Hamburg Media School. Berufsbegleitend: Masterschool Drehbuch (Berlin), Drehbuchwerkstatt München.

Bin ich mit 40 zu alt, um Drehbuchautor zu werden?

Für ein Hochschulstudium meist ja (Altersgrenzen), für den Beruf nein. Lebenserfahrung ist in diesem Beruf ein Vorteil; viele Fernsehautoren haben nach 40 angefangen. Der Weg führt über Werkstätten, Wettbewerbe und ein starkes Spec Script.

Quellen

  1. Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) – Beruf, Verträge, Vergütungsregeln – https://www.vdd-ev.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigsburg – https://www.filmakademie.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  3. Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) – https://www.dffb.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  4. Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) – https://www.hff-muenchen.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  5. Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf – https://www.filmuniversitaet.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  6. ifs internationale filmschule köln – https://www.ifs.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  7. Hamburg Media School – Film – https://www.hamburgmediaschool.com/ (abgerufen 10.10.2026)
  8. Masterschool Drehbuch, Berlin – https://www.masterschool.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  9. Drehbuchwerkstatt München – https://www.drehbuchwerkstatt.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  10. Filmförderungsanstalt (FFA) – Drehbuchförderung – https://www.ffa.de/ (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.

Mehr aus Beruf & Verkaufen