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Drehbuch-Ideen finden, prüfen und durchhalten

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 4 Minuten2 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Wo Ideen herkommen
  2. Thema, Prämisse, Logline
  3. Der Vier-Punkte-Test
  4. Genre und Markt – nüchtern betrachtet
  5. Durchhalten: Routine statt Motivation
  6. Wann eine Idee in die Schublade gehört
  7. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ideen kommen nicht beim Warten, sondern beim Sammeln: Zeitungsnotizen, Beobachtungen, die Was-wäre-wenn-Frage.
  • Eine Idee trägt einen Film, wenn sie Figur, Ziel, Gegenkraft und Einsatz hat – der Vier-Punkte-Test.
  • Prämisse statt Thema: „Rache“ ist ein Thema, „ein Vater, der den Mörder seiner Tochter als Nachbarn entdeckt“ eine Prämisse.
  • Durchhalten ist eine Frage der Routine, nicht der Motivation: feste Zeit, kleines Tagesziel, nie zurücklesen.

„Ich hätte da eine Idee für einen Film“ – den Satz sagt jeder Zweite. Zwischen der Idee und einem Drehbuch liegen zwei Hürden: zu prüfen, ob die Idee einen Film trägt, und ihn dann tatsächlich zu schreiben. Beides lässt sich handwerklich angehen.

Wo Ideen herkommen

Drehbuchautoren warten nicht auf Eingebungen; sie sammeln. Ein paar Quellen, die in der Praxis funktionieren:

  • Die Lokalzeitung. Nicht die Titelseite, sondern Seite 12: der Rentner, der 30 Jahre lang einen Tunnel unter seinem Haus grub; die Schulklasse, die ihren Lehrer deckt. Kleine Meldungen, große Figuren.
  • Was wäre, wenn? Die klassische Frage: Was wäre, wenn man an einem Tag nicht lügen könnte („Der Dummschwätzer“)? Was wäre, wenn man seinen eigenen Tod per Video sähe („Final Destination“)? Nimm eine Alltagssituation und dreh an einer Schraube.
  • Die eigene Wunde. Was dich nachts wachhält, hält auch Zuschauer wach – verkleidet, verschoben, in eine andere Figur gesteckt. Die meisten Debüts erzählen von etwas, das der Autor kennt.
  • Zwei Dinge, die nicht zusammengehören. Ein Mönch und ein Hedgefonds. Eine Leichenschauhaus-Angestellte und ein Dating-Coach. Kollision erzeugt Konflikt, Konflikt erzeugt Geschichte.
  • Genre-Regeln umdrehen. Der Horrorfilm, in dem das Monster die Hauptfigur ist. Die Liebeskomödie, die mit der Hochzeit beginnt.

Schreib alles auf, auch das Dumme. Ein Ideenheft, in das jede Woche fünf Einträge kommen, enthält nach einem Jahr 250 Anfänge – und drei davon tragen.

Thema, Prämisse, Logline

Hier scheitern viele Ideen, ohne dass der Autor merkt, warum. Ein Thema ist abstrakt: Rache, Schuld, Freiheit, Liebe. Darüber kann man reden, aber nicht drehen. Eine Prämisse ist konkret: ein Vater entdeckt, dass der Mörder seiner Tochter nebenan eingezogen ist. Jetzt gibt es eine Figur und eine Situation. Eine Logline macht daraus eine Geschichte mit Richtung: Ein Vater, der nach dem Tod seiner Tochter nur noch funktioniert, will den Mörder, der nebenan eingezogen ist, zu einem Geständnis zwingen – und muss dafür zu dem werden, was er bekämpft. Figur, Ziel, Gegenkraft, Einsatz. Der Logline-Planer fragt genau diese vier Dinge ab.

Der Vier-Punkte-Test

  1. Wer? Gibt es eine Hauptfigur mit einem Mangel, der uns interessiert? „Ein Ermittler“ ist keine Figur; „ein Ermittler, der seit dem Tod seines Partners keinen Fall mehr abgeschlossen hat“ ist eine.
  2. Was will sie? Ein konkretes, äußeres Ziel, dessen Erreichen man sehen kann. „Glücklich werden“ ist kein Ziel; „die Tochter zurückbekommen“ ist eines.
  3. Was steht dagegen? Eine Gegenkraft, die mindestens so stark ist wie die Figur – ein Mensch, ein System, die eigene Angst. Ohne Gegner keine zweite Hälfte.
  4. Was steht auf dem Spiel? Was verliert die Figur, wenn sie scheitert? Wenn die Antwort „nichts Besonderes“ ist, ist es kein Film, sondern eine Anekdote.

Besteht die Idee den Test, kommt die zweite Prüfung: Erzähl sie einem Menschen in einer Minute. Fragt er „und dann?“, trägt sie. Nickt er höflich, nicht.

Genre und Markt – nüchtern betrachtet

Für den ersten Stoff darfst du schreiben, was du willst. Wer aber verkaufen will, sollte wissen: Das deutsche Fernsehen kauft Krimis, Familiendramen und Komödien in Serie; das Kino fördert Dramen und Komödien mit lokalem Bezug; Fantasy, Science-Fiction und Horror sind hierzulande teuer und selten. Ein Debüt mit zwölf Schauplätzen, drei Zeitebenen und Massenszenen wird ungelesen zurückgehen – nicht, weil es schlecht ist, sondern weil niemand das Budget für einen Unbekannten riskiert. Wenige Figuren, wenige Orte, ein starker Konflikt: das ist, was Redaktionen von Erstlingen lesen wollen. Mehr unter Drehbuch verkaufen.

Durchhalten: Routine statt Motivation

Die meisten Drehbücher scheitern nicht an der Idee, sondern auf Seite 30 – dort, wo der zweite Akt beginnt und die Anfangsbegeisterung aufgebraucht ist. Was hilft, ist unspektakulär:

  • Feste Zeit, kleines Ziel. Eine Seite pro Tag, zur selben Uhrzeit, ergibt in drei Monaten einen Spielfilm. Fünf Seiten am Sonntag und nichts unter der Woche ergeben nichts.
  • Erst planen, dann schreiben. Wer eine Szenenliste hat, weiß jeden Morgen, was heute dran ist. Die Blockade entsteht meist, weil man nicht weiß, was als Nächstes passiert – das ist ein Planungsproblem, kein Kreativitätsproblem.
  • Nicht zurücklesen. Die erste Fassung wird vorwärts geschrieben. Wer jeden Morgen die Szene von gestern überarbeitet, kommt nie zu Seite 40.
  • Mitten im Satz aufhören. Hemingways Trick: Wer weiß, wie es weitergeht, fängt am nächsten Tag leicht an.
  • Wenn es klemmt, die Figur fragen. Was will sie in dieser Szene? Was fürchtet sie? Was würde sie nie tun – und was zwingt sie, es doch zu tun?

Wann eine Idee in die Schublade gehört

Nicht jede Idee ist ein Film. Manche sind Kurzgeschichten, manche ein Kurzfilm, manche ein einziges Bild. Wenn du nach dem Exposé merkst, dass der zweite Akt leer bleibt, ist das keine Niederlage, sondern eine Ersparnis von sechs Monaten. Leg die Idee ins Heft; viele kommen Jahre später zurück, verbunden mit einer anderen, und dann tragen sie. Zu klein für einen Spielfilm, aber stark? Dann ist es ein Kurzfilm.

Häufige Fragen

Woher weiß ich, ob meine Idee gut genug ist?

Mach den Vier-Punkte-Test: Figur mit Mangel, konkretes Ziel, starke Gegenkraft, Einsatz. Dann erzähl die Idee in einer Minute jemandem – fragt er „und dann?“, trägt sie.

Darf ich eine wahre Geschichte verfilmen?

Grundsätzlich ja, aber Persönlichkeitsrechte lebender Personen und die Rechte an Buchvorlagen oder Reportagen müssen geklärt sein. Bei bekannten Fällen ist der Stoff oft schon optioniert. Siehe Drehbuch schützen.

Was mache ich bei einer Schreibblockade?

Meist fehlt kein Einfall, sondern ein Plan: Schreib die Szenenliste zu Ende, dann weißt du, was als Nächstes passiert. Ansonsten: kleines Tagesziel, feste Zeit, nicht zurücklesen, mitten im Satz aufhören.

Quellen

  1. Field, Syd: Das Drehbuch. Die Grundlagen des Drehbuchschreibens. Autorenhaus Verlag (dt. Ausgabe) – https://www.autorenhaus.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. Das Erste: Drehbücher und Stoffangebote – Hinweise für Autorinnen und Autoren – https://www.daserste.de/specials/service/drehbuecher-stoffangebote-100.html (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Erstmals veröffentlicht im Juli 2015, vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.

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