Zum Inhalt springen

Wie schreibt man ein Drehbuch? Die Anleitung in sieben Schritten

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 6 Minuten4 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Vorab: Was ein Drehbuch ist – und was nicht
  2. Schritt 1: Die Idee auf einen Satz bringen
  3. Schritt 2: Die Struktur – drei Akte und zwei Wendepunkte
  4. Schritt 3: Das Exposé schreiben
  5. Schritt 4: Figuren bauen
  6. Schritt 5: Die Szenenliste
  7. Schritt 6: Die erste Fassung im Format
  8. Schritt 7: Überarbeiten – und erst dann zeigen
  9. Wie lange das dauert
  10. Werkzeuge auf dieser Seite
  11. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Drehbuch entsteht in dieser Reihenfolge: Idee → Logline → Struktur → Exposé → Figuren → Szenenliste → erste Fassung. Wer mit Seite 1 anfängt, bleibt meist bei Seite 30 stecken.
  • Eine Drehbuchseite im Standardformat entspricht etwa einer Filmminute; ein Spielfilm hat 90 bis 120 Seiten.
  • Schreib nur, was man sieht und hört – im Präsens, ohne Gedanken, ohne Kameraanweisungen.
  • Die erste Fassung ist Rohmaterial. Drehbücher werden in Überarbeitungen gut, nicht im ersten Durchgang.

Du hast eine Idee für einen Film und willst sie aufschreiben. Die gute Nachricht: Drehbuchschreiben ist ein Handwerk mit klaren Regeln, und die Regeln kann man lernen. Die weniger gute: Die meisten Anfänger machen denselben Fehler – sie fangen mit der ersten Szene an. Diese Anleitung geht in der Reihenfolge vor, in der Profis arbeiten. Sie ist die Kurzfassung unseres Buches „Vom Kopfkino zum Drehbuch“ und reicht für eine erste, sauber gebaute Fassung.

1.

1. AUSSEN. BERGSCHLUCHT IN TIROL – TAG

Der kalte Wind treibt Schneewehen vor sich her. Hohe Berge, die Sonne erreicht nur einzelne Ecken des Dorfes. Ein Jeep fährt in steilen Serpentinen hinab ins Tal, rast an Schneewehen und Schluchten vorbei.

2. INNEN. JEEP – TAG

LUTZ (30) fährt waghalsig. Neben ihm SARAH (28), die Hände um den Haltegriff.

SARAH

(gepresst)

Kannst du etwas langsamer fahren?

LUTZ

Keine Angst. Ich kenne die Strecke wie meine Hosentasche.

Sarah beißt sich auf die Lippe. Plötzlich beginnt der Motor zu STOTTERN. Sie sehen sich an.

SCHNITT ZU:

Vorab: Was ein Drehbuch ist – und was nicht

Ein Drehbuch ist die schriftliche Grundlage eines Films: Szene für Szene steht darin, wo etwas spielt, was zu sehen ist und was gesprochen wird. Es ist kein Roman (keine Gedanken, keine Erzählerstimme, kein Schmuck) und keine Regieanweisung (keine Kamerawinkel, keine Schnitte). Es ist ein Bauplan für etwa hundert Menschen, die daraus einen Film machen – Regie, Schauspiel, Kamera, Ausstattung, Produktion. Deshalb ist das Format so streng: Jede Abteilung muss auf einen Blick finden, was sie braucht. Mehr dazu unter Was ist ein Drehbuch?

Schritt 1: Die Idee auf einen Satz bringen

Bevor du eine Zeile schreibst, prüf die Idee mit einer Logline: ein bis zwei Sätze, die sagen, wer die Hauptfigur ist, was sie will, was dagegensteht und was auf dem Spiel steht. „Eine Krankenschwester, die alles für ihre Familie aufgibt, muss ihren Bruder aus der Psychiatrie holen – gegen ihren eigenen Mann, der die Einweisung unterschrieben hat.“ Fehlt eines der vier Elemente, fehlt dem Film etwas: ohne Ziel keine Richtung, ohne Gegenkraft keine Spannung, ohne Einsatz keine Bedeutung. Der Logline-Planer baut den Satz aus deinen Angaben – und zeigt dir sofort, wo die Lücke ist. Ideen finden und prüfen: Drehbuch-Ideen.

Schritt 2: Die Struktur – drei Akte und zwei Wendepunkte

Fast alle Spielfilme folgen demselben Grundriss, den Syd Field in den 1970ern aus Hollywood-Drehbüchern herausgelesen hat: Akt 1 (etwa das erste Viertel) stellt Figur und Welt vor und endet mit einem Ereignis, das alles ändert – Plot Point 1. Akt 2 (die Hälfte) ist die Konfrontation: Die Figur verfolgt ihr Ziel, die Hindernisse wachsen, in der Mitte kippt etwas, und am Ende steht die Figur vor dem Scheitern – Plot Point 2. Akt 3 (das letzte Viertel) ist Höhepunkt und Auflösung. Bei 90 Seiten liegen die Wendepunkte also um Seite 22 und Seite 68. Das ist keine Formel, die Kreativität ersetzt, sondern eine Karte, auf der du siehst, ob deine Geschichte genug Material für zwei Stunden hat. Ausführlich mit Alternativen (Heldenreise, Save the Cat): Drehbuch-Aufbau.

Schritt 3: Das Exposé schreiben

Jetzt erzählst du die ganze Geschichte in Prosa, im Präsens, auf ein bis drei Seiten – mit Ende. Das Exposé ist das Dokument, mit dem du später Redaktionen und Produzenten ansprichst, aber zuerst ist es dein eigener Test: Lässt sich die Geschichte von Anfang bis Ende erzählen, ohne dass sie in der Mitte durchhängt? Wenn du beim Exposé merkst, dass der zweite Akt aus „und dann passiert dies, und dann das“ besteht, hast du das Problem gefunden, bevor es dich fünfzig Seiten gekostet hat. Wer länger plant, schreibt danach ein Treatment (10 bis 30 Seiten, Szene für Szene). Beides unter Exposé, Treatment, Logline.

Schritt 4: Figuren bauen

Eine Figur ist keine Liste von Eigenschaften, sondern ein Wille plus ein Mangel. Was will sie (das Ziel, das die Handlung treibt)? Was braucht sie, ohne es zu wissen (das innere Thema)? Was fürchtet sie? Die Hauptfigur muss am Ende anders sein als am Anfang – oder die Welt muss sich an ihr abgearbeitet haben. Die Gegenspielerin braucht ebenso gute Gründe wie die Heldin; ein Bösewicht, der böse ist, weil er böse ist, trägt keinen Film. Zwei Sätze pro Hauptfigur reichen für den Anfang: wer sie ist, was sie will. Mehr unter Figuren entwickeln.

Schritt 5: Die Szenenliste

Bevor du Dialog schreibst, zerlegst du die Geschichte in Szenen: eine Zeile pro Szene mit Ort, Figuren und dem, was sich ändert. Ein Spielfilm hat 40 bis 60 Szenen. Die Liste zeigt dir, ob jede Szene einen Zweck hat – eine Szene, in der sich nichts ändert, ist keine Szene, sondern ein Loch. Profis arbeiten mit Karteikarten oder der Karteikarten-Ansicht ihrer Drehbuchsoftware; eine Tabelle tut es auch. Erst wenn die Liste steht, beginnt das eigentliche Schreiben.

Schritt 6: Die erste Fassung im Format

Jetzt erst: Seite 1. Du schreibst Szene für Szene in dem Format, das die Branche erwartet – Szenenüberschrift (INNEN/AUSSEN, Ort, Tageszeit), Handlung (was zu sehen und zu hören ist, im Präsens), Figur in Großbuchstaben, darunter der Dialog in schmaler Spalte, gelegentlich eine Klammer für den Tonfall. Courier 12 Punkt, Standardränder – dann gilt die Faustregel eine Seite ≈ eine Minute. Die Regeln im Detail und den Formatierer, der dir die Einzüge abnimmt, findest du unter Drehbuch-Format; eine Vorlage für Word unter Vorlage.

Drei Regeln für den Text selbst:

  • Nur Sichtbares und Hörbares. „Lena ist wütend“ kann niemand filmen. „Lena stellt die Tasse so hart ab, dass Kaffee überschwappt“ schon.
  • Kurz. Handlungsabsätze maximal vier Zeilen. Wer liest, soll die Seite in einer Minute schaffen.
  • Keine Regie. Keine Kamera („Nahaufnahme auf …“), keine Musik, keine Schnittanweisungen außer den wenigen Übergängen. Das ist die Arbeit anderer – und Redakteure lesen es als Zeichen für Anfänger.

Schreib die erste Fassung zügig durch, ohne zurückzugehen. Sie darf schlecht sein. Ihr Zweck ist, dass sie existiert.

Schritt 7: Überarbeiten – und erst dann zeigen

Drehbücher werden in Fassungen gut. Lass die erste zwei Wochen liegen, dann lies sie in einem Rutsch und notiere nur: Wo wird es langweilig? Wo verstehe ich die Figur nicht? Wo ist der Dialog Erklärung statt Gespräch? Die zweite Fassung repariert Struktur und Figuren, die dritte die Dialoge, die vierte kürzt. Erst dann gibst du das Buch Menschen, die ehrlich sind – und erst nach deren Rückmeldung an Redaktionen. Wie das geht, steht unter Drehbuch einreichen; was du vorher wissen solltest, unter So entsteht ein Drehbuch.

Wie lange das dauert

SchrittErgebnisTypischer Aufwand (nebenberuflich)
Idee und Logline2 SätzeTage bis Wochen – die Idee reift
StrukturBeat-Liste mit 9–15 Stationen1–2 Wochen
Exposé1–3 Seiten Prosa1 Woche
FigurenSteckbriefe1 Woche
Szenenliste40–60 Zeilen1–2 Wochen
Erste Fassung90–120 Seiten6–12 Wochen bei 1 Seite pro Tag
Überarbeitung3–4 Fassungen3–6 Monate

Ein Jahr für ein erstes Drehbuch ist normal. Wer das zu lang findet, fängt mit einem Kurzfilm an – zehn Seiten, dieselben Regeln, in einem Monat fertig.

Werkzeuge auf dieser Seite

Häufige Fragen

Kann ich ein Drehbuch ohne Ausbildung schreiben?

Ja. Die Regeln für Aufbau und Format sind lernbar und stehen hier und in jedem guten Handbuch. Was eine Ausbildung bietet, ist Feedback und Kontakte – beides kannst du dir auch in Autorengruppen und Werkstätten holen. Siehe Drehbuchautor werden.

Womit soll ich anfangen, wenn ich nur eine Idee habe?

Mit der Logline: Wer will was, wer steht dagegen, was steht auf dem Spiel? Wenn dieser Satz steht, schreib das Exposé. Erst danach die erste Szene.

Wie lang ist ein Drehbuch?

Für einen Spielfilm 90 bis 120 Seiten im Standardformat, das entspricht etwa 90 bis 120 Minuten. Fernsehfilme um 90, Serienfolgen 45 bis 60, Kurzfilme 5 bis 20 Seiten. Der Längen-Rechner zeigt dir die Akt-Grenzen für jede Länge.

Muss ich Word oder ein spezielles Programm benutzen?

Für den Anfang reicht Word mit unserer Vorlage oder der Formatierer hier. Ab einem ganzen Spielfilm lohnt sich ein Drehbuchprogramm, weil es Einzüge, Szenennummern und Umbrüche automatisch setzt – kostenlose gibt es auch.

Quellen

  1. Field, Syd: Das Drehbuch. Die Grundlagen des Drehbuchschreibens. Autorenhaus Verlag (dt. Ausgabe) – https://www.autorenhaus.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. Das Erste: Drehbücher und Stoffangebote – Hinweise für Autorinnen und Autoren – https://www.daserste.de/specials/service/drehbuecher-stoffangebote-100.html (abgerufen 10.10.2026)
  3. Fountain – Syntax der offenen Drehbuch-Auszeichnung – https://fountain.io/syntax/ (abgerufen 10.10.2026)
  4. Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) – https://www.vdd-ev.de/ (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Erstmals veröffentlicht im Mai 2015, vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.

Mehr aus Anleitung