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Kurzfilm-Drehbuch schreiben: Eine Idee, ein Wendepunkt, zehn Seiten

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 4 Minuten2 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Was beim Kurzfilm anders ist
  2. Länge
  3. Aufbau auf zehn Seiten
  4. Für das Budget schreiben, das du hast
  5. Drehbuch für Video, YouTube, Werbung
  6. Wo Kurzfilme hinkommen
  7. Format
  8. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Kurzfilm erzählt eine Situation, nicht ein Leben: eine Figur, ein Konflikt, ein Wendepunkt, ein Ende, das etwas bedeutet.
  • 5 bis 15 Seiten sind ideal; Festivals nehmen meist bis 30 Minuten, aber unter 15 Minuten wird häufiger gezeigt.
  • Schreib für das Budget, das du hast: zwei Figuren, ein Ort, Tag, keine Kinder, keine Tiere, kein Regen.
  • Der Kurzfilm ist das beste Training und die einzige Referenz, die ein Anfänger selbst herstellen kann.

Wer Drehbuchschreiben lernen will, sollte nicht mit einem Spielfilm anfangen. Ein Kurzfilm braucht dieselben Fähigkeiten – Struktur, Figur, Format, Dialog – auf zehn statt hundert Seiten, lässt sich in einem Monat schreiben und, das ist der Punkt, mit Freunden und einem Handy drehen. Ein gedrehter Kurzfilm ist die einzige Referenz, die du dir selbst verschaffen kannst.

Was beim Kurzfilm anders ist

Ein Spielfilm erzählt, wie sich ein Mensch verändert. Ein Kurzfilm erzählt einen Moment, in dem sich etwas entscheidet. Dafür hat er keine drei Akte mit Mittelpunkt, sondern meist einen einzigen Bogen: Situation – Störung – Zuspitzung – Wendung – Ende. Die Wendung ist alles: Der Zuschauer soll am Ende etwas anders sehen als am Anfang – die Figur, die Situation, sich selbst. Kurzfilme, die nur eine Pointe haben (die Figur war die ganze Zeit tot), gibt es tausendfach; Kurzfilme, deren Ende eine Bedeutung hat, bleiben.

Länge

SeitenMinutenGeeignet für
1–31–3Einminüter-Wettbewerbe, Social Media, Übung: ein Bild, eine Wendung
5–105–10Der klassische Kurzfilm: eine Situation mit Vorgeschichte und Wendung; wird auf Festivals am häufigsten programmiert
10–2010–20Kurzfilm mit zwei, drei Szenenfolgen; Hochschulfilme; für Anfänger die Obergrenze
20–3020–30Grenze der meisten Festivals; schwer zu programmieren, braucht Spielfilm-Struktur

Für den ersten eigenen Film: fünf bis zehn Seiten. Der Längen-Rechner rechnet dir Seiten in Minuten um.

Aufbau auf zehn Seiten

  1. Seite 1 – Situation. Figur in ihrer Welt, mit einem Mangel, den man sieht. Keine Vorgeschichte, keine Erklärung.
  2. Seite 2 – Störung. Etwas kommt dazwischen: ein Anruf, ein Fremder, ein Fund. Das Ziel entsteht.
  3. Seiten 3–7 – Zuspitzung. Die Figur versucht, das Ziel zu erreichen; es wird schwieriger; sie muss mehr riskieren, als sie wollte.
  4. Seite 8 – Wendung. Etwas stellt sich anders dar, als die Figur (und der Zuschauer) dachten.
  5. Seiten 9–10 – Ende. Die Figur handelt, und das Bild am Schluss ist das Bild vom Anfang – verändert.

Für das Budget schreiben, das du hast

Ein Kurzfilmdrehbuch, das niemand drehen kann, ist eine Übung. Eines, das du selbst drehen kannst, ist ein Film. Schreib deshalb bewusst für null Euro:

  • Zwei bis drei Figuren. Jede weitere braucht einen Menschen, der an drei Wochenenden Zeit hat.
  • Ein bis zwei Orte, zu denen du Zugang hast: Wohnung, Garten, Parkplatz, Büro am Wochenende.
  • Tag, innen. Nacht braucht Licht, außen braucht Wetterglück.
  • Keine Kinder, Tiere, Autos in Fahrt, Massenszenen, Stunts, Waffen. Jedes davon verdoppelt den Aufwand oder braucht Genehmigungen.
  • Keine Musik, die du nicht hast. Lizenzfreie Musik oder Stille.

Die Beschränkung ist kein Nachteil: Die meisten gefeierten Kurzfilme sind Kammerspiele. Ein Gespräch in einer Küche, das kippt, braucht nur ein gutes Drehbuch.

Drehbuch für Video, YouTube, Werbung

Für Erklärvideos, Werbeclips und Social-Media-Videos gelten andere Konventionen: Man schreibt oft zweispaltig (links Bild, rechts Ton/Text), rechnet in Sekunden statt Seiten (etwa 150 gesprochene Wörter pro Minute) und beginnt mit dem Haken in den ersten drei Sekunden. Erzählende Videos (Sketche, Kurzgeschichten, Webserien) folgen aber denselben Regeln wie der Kurzfilm – Figur, Störung, Wendung – und werden im Drehbuchformat geschrieben. Für YouTube-Erzählformate reicht meist das Standardformat mit Szenenüberschriften; für Werbung und Erklärfilme das Zweispalten-Skript.

Wo Kurzfilme hinkommen

Deutschland hat eine dichte Kurzfilm-Landschaft: Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Filmfest Dresden, Interfilm Berlin, Kurzfilm Festival Hamburg, dazu hunderte kleinere Festivals und Wettbewerbe, viele für Nachwuchs und Jugend. Die Junge Filmszene im Bundesverband Jugend und Film sammelt Ausschreibungen für junge Filmemacher. Einreichplattformen wie FilmFreeway bündeln hunderte Festivals mit einem Profil. Ein Kurzfilm, der auf zwei, drei Festivals lief, ist in Bewerbungen für Filmhochschulen und bei Produktionsfirmen die beste Referenz – mehr als jedes unverfilmte Spielfilmdrehbuch. Siehe auch Drehbuchautor werden.

Format

Dasselbe wie beim Spielfilm: Szenenüberschrift, Handlung, Figur, Dialog, Courier 12. Für zehn Seiten reicht der Formatierer oder die Word-Vorlage völlig; ein Drehbuchprogramm brauchst du erst beim Spielfilm. Beispielseiten unter Drehbuch-Beispiel.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Kurzfilm sein?

Für den ersten eigenen Film fünf bis zehn Minuten, also fünf bis zehn Seiten. Festivals programmieren kurze Filme häufiger als lange; die Obergrenze liegt meist bei 30 Minuten.

Braucht ein Kurzfilm drei Akte?

Nein. Ein Kurzfilm hat meist einen Bogen: Situation, Störung, Zuspitzung, Wendung, Ende. Die Wendung ersetzt die Akt-Struktur – sie muss die Bedeutung des Gesehenen ändern.

Wie schreibe ich ein Drehbuch für ein YouTube-Video?

Erzählende Videos wie Kurzfilme im Standardformat. Erklär- und Werbevideos zweispaltig (Bild links, Ton rechts), in Sekunden gerechnet (rund 150 Wörter pro Minute), mit dem Haken in den ersten drei Sekunden.

Quellen

  1. Bundesverband Jugend und Film e. V. – Junge Filmszene – https://www.jungefilmszene.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. Field, Syd: Das Drehbuch. Die Grundlagen des Drehbuchschreibens. Autorenhaus Verlag (dt. Ausgabe) – https://www.autorenhaus.de/ (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.

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