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Tatort-Drehbuch: Wer die Bücher schreibt und wie ein Stoff zum Tatort wird

Geprüft am 25.10.2026Lesezeit 8 Minuten7 Quellen
Skizze: Filmkamera auf Stativ
Inhalt dieser Seite
  1. Was der Tatort als Auftraggeber besonders macht
  2. Wer schreibt Tatort-Drehbücher?
  3. Wer hat das Drehbuch zum Tatort heute geschrieben?
  4. So entsteht ein Tatort-Drehbuch
  5. Was ein Tatort-Buch leisten muss
  6. Kann man ein Tatort-Drehbuch einreichen?
  7. Den Tatort als Schreibschule nutzen
  8. Vertrag, Mitsprache und Honorar
  9. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Tatort-Drehbücher entstehen im Auftrag: Redaktion der Rundfunkanstalt und Produktionsfirma wählen Autor und Regie aus.
  • Den Autor einer Folge findest du im Abspann unter „Buch“, in den Programm- und Pressetexten der ARD und auf filmportal.de.
  • Der Weg führt über Exposé, Treatment und mehrere Drehbuchfassungen – das Ermittlerteam und die Stadt sind dabei gesetzt.
  • Ein offenes Einsendeportal gibt es nicht. Deine beste Chance: eigene Krimi-Drehbücher als Arbeitsprobe und ein Exposé an die passende Produktionsfirma.

Ein Tatort-Drehbuch schreibt fast nie jemand auf eigene Faust und schickt es dann ein. Die Bücher entstehen im Auftrag: Die Fernsehfilm-Redaktion der zuständigen Rundfunkanstalt und eine Produktionsfirma entwickeln den Stoff gemeinsam mit einer Autorin oder einem Autor – vom Exposé über das Treatment bis zur Drehfassung. Wer selbst einmal einen Tatort schreiben will, braucht deshalb vor allem eines: Arbeitsproben, die zeigen, dass er einen 90-minütigen Krimi für einen festen Sendeplatz und ein festes Ermittlerteam tragen kann.

Diese Seite erklärt, wer die Drehbücher schreibt, wie du herausfindest, wer das Buch zum Tatort heute Abend geschrieben hat, wie ein Stoff in der Redaktion zum Film wird und welcher Weg für dich realistisch ist.

Was der Tatort als Auftraggeber besonders macht

Der Tatort ist keine Serie mit einem Writers Room, sondern eine Reihe aus abgeschlossenen Fernsehfilmen. Die erste Folge, „Taxi nach Leipzig“, lief am 29. November 1970. Produziert wird die Reihe gemeinsam von den neun Landesrundfunkanstalten der ARD, dazu kommen der ORF aus Österreich und der SRF aus der Schweiz. Jede Anstalt verantwortet ihre eigenen Ermittlerteams und Städte – der WDR etwa Köln und Münster, der SWR unter anderem Stuttgart. Pro Jahr laufen seit den 1990er-Jahren etwa 35 neue Folgen, jeweils rund 90 Minuten lang, im Wechsel mit dem „Polizeiruf 110“ am Sonntag um 20:15 Uhr im Ersten.

Für dich als Autor heißt das: Es gibt nicht „die Tatort-Redaktion“, an die man schreibt. Es gibt elf beteiligte Anstalten mit eigenen Redaktionen, und jede entscheidet für ihre eigenen Teams. Die Filme selbst stellen meist Produktionsfirmen im Auftrag der Sender her, oft Tochterfirmen der Anstalten. Redaktion und Produktion zusammen suchen die Autorinnen und Autoren aus.

Wer schreibt Tatort-Drehbücher?

Freie Drehbuchautorinnen und -autoren, die einen Auftrag für eine bestimmte Folge bekommen. Über die Jahrzehnte haben mehr als 600 Autoren für die Reihe geschrieben, oft zu zweit oder im Team. Die meisten Bücher stammen laut Wikipedia von Felix Huby (33) und Jürgen Werner (31). Häufig sind Buch und Regie in einer Hand: Niki Stein etwa hat für den Stuttgarter Tatort „HAL“ das Drehbuch geschrieben und selbst inszeniert – die Entstehung dieses Films hat der SWR für das Bildungsangebot Planet Schule sechs Monate lang begleitet.

Den Auftrag bekommen in der Regel Autorinnen und Autoren, deren Arbeit die Redaktion schon kennt – aus anderen Fernsehfilmen, Serien oder Kinofilmen. Der Tatort ist deshalb selten der Einstieg in den Beruf, eher ein Ziel nach einigen Jahren. Wie der Weg dahin aussieht, steht unter Drehbuchautor werden.

Wer hat das Drehbuch zum Tatort heute geschrieben?

Das lässt sich in wenigen Minuten herausfinden – und es lohnt sich, wenn du verstehen willst, wer für welches Team schreibt:

  1. Vor- und Abspann: Die Angabe „Buch“ oder „Drehbuch“ steht im Film selbst, meist zusammen mit Regie, Produktion und Redaktion.
  2. Programm- und Presseinformationen der ARD: In den Texten zu einer neuen Folge nennen die Sender in der Regel Buch und Regie, oft mit einem Interview zur Entstehung des Falls.
  3. filmportal.de: Die Datenbank zum deutschen Film führt Tatort-Folgen mit Stabangaben – praktisch, um zu sehen, welche Autoren mehrfach für dasselbe Team geschrieben haben und mit welcher Produktionsfirma.

Achte dabei auch auf Redaktion und Produktionsfirma. Genau diese beiden Namen brauchst du, wenn du später selbst einen Krimistoff anbieten willst.

So entsteht ein Tatort-Drehbuch

Wie es in der Praxis läuft, haben die SWR-Redakteurin und der Produzent des Stuttgarter Tatorts „HAL“ für Planet Schule beschrieben. Redaktion und Produzent sind gemeinsam verantwortlich; sie schlagen das Thema vor, verpflichten Autor und Regie, entwickeln mit ihnen das Drehbuch und verwalten den Etat. Für den Anstoß gibt es zwei Wege: Entweder hat die Redaktion ein Thema und geht damit auf einen Autor zu – bei „HAL“ war das Big Data –, oder ein Autor kommt mit einem eigenen Exposé, das er gern als Tatort entwickeln würde.

Danach folgt der übliche Weg der Stoffentwicklung, mit mehreren Fassungen auf jeder Stufe:

StufeWas entstehtWer redet mit
Thema oder IdeeAbsprache über den AnsatzRedaktion, Produktion, Autor
Exposémehrere Fassungen, oft drei oder vierRedaktion, Produktion
TreatmentHandlung Szene für Szene, in FassungenRedaktion, Produktion, ggf. Regie
Drehbuchmehrere Fassungen bis zur AbnahmeRedaktion, Produktion, Regie
Drehfassungan Drehorte, Budget und Besetzung angepasstRegie, Produktion

Die Arbeitsteilung ist klar: Die Redaktion hat die inhaltliche Hoheit und achtet darauf, dass Geschichte und Figuren tragen. Die Produktion prüft, ob sich das Buch mit dem Budget drehen lässt – und meldet sich, wenn ein Drehbuch teure Effekte oder viele Drehorte verlangt. Wie diese Stufen allgemein ablaufen und wann welcher Vertrag fällig wird, steht unter So entsteht ein Drehbuch. Was ein Exposé enthalten muss, erklärt Exposé, Treatment und Logline.

Was ein Tatort-Buch leisten muss

Ein Tatort-Drehbuch ist Auftragsarbeit in einem engen Rahmen. Diese Vorgaben solltest du kennen, bevor du überhaupt eine Idee anbietest:

  • Das Team ist gesetzt. Die Ermittler gibt es schon, mit Vorgeschichte, Eigenheiten und einer Entwicklung über viele Folgen. Die Redaktion achtet darauf, dass die Kommissare in jedem Fall etwas zu spielen haben und nicht nur Stichworte geben. Wer für ein Team schreiben will, muss dessen letzte Folgen kennen.
  • Die Stadt spielt mit. Lokalkolorit gehört zum Konzept der Reihe. Beim Stuttgarter Tatort etwa ist der Redaktion wichtig, dass Stuttgart erkennbar ins Bild kommt – auch wenn Drehtage dort mehr kosten.
  • Der Fall ist abgeschlossen. Jede Folge erzählt einen Kriminalfall von Anfang bis Ende in rund 90 Minuten. Nach der Faustregel eine Seite je Minute landet ein Tatort-Drehbuch damit bei etwa 90 Seiten; nachrechnen kannst du das mit dem Längen-Rechner.
  • Der Sendeplatz bestimmt den Ton. Sonntag, 20:15 Uhr, ein Publikum von Millionen: Der Film muss für ein breites Publikum funktionieren, auch wenn einzelne Teams ernster, komischer oder experimenteller erzählen.
  • Experimente sind begrenzt. Nach einem Bericht von HORIZONT aus dem Jahr 2017 müssen die Anstalten experimentelle Folgen vorab bei der ARD-Koordination Fernsehfilm anmelden; mehr als zwei solche Folgen pro Jahr sollte es nicht geben. Ein Horror- oder Science-Fiction-Tatort ist also kein Einstieg, sondern eine Ausnahme.

Merke: Ein Tatort-Stoff trägt nicht über den Mord allein, sondern über die Frage, was der Fall mit den Ermittlern macht – und was er über die Stadt oder die Gesellschaft erzählt. Interessante Figuren und eine Geschichte, die stimmt: Darauf achtet die Redaktion besonders.

Kann man ein Tatort-Drehbuch einreichen?

Ein offenes Einsendeportal für Tatort-Drehbücher gibt es nicht. Ein fertiges, unverlangtes Tatort-Drehbuch hat zudem ein Grundproblem: Die Figuren gehören dem Sender, und die Redaktion plant die Entwicklung ihres Teams selbst. Ein Buch, das an dieser Planung vorbeigeschrieben ist, lässt sich kaum verwenden. Realistisch sind diese Wege:

  1. Erst eigene Krimis schreiben. Deine beste Bewerbung ist ein starkes eigenes Krimi-Drehbuch mit eigenen Figuren – als Arbeitsprobe, die zeigt, dass du Spannung, Ermittlung und Figuren über 90 Minuten halten kannst.
  2. Die richtige Stelle finden. Schau dir an, welche Produktionsfirma und welche Redaktion für das Team arbeiten, für das du schreiben möchtest (siehe oben). Die Produktionsfirma ist oft der leichtere erste Kontakt.
  3. Ein Exposé statt eines Drehbuchs anbieten. Wie bei „HAL“ beschrieben, kann ein Autor mit einem Exposé auf die Redaktion zukommen. Ein bis drei Seiten, mit Ende, dazu ein kurzes Anschreiben und deine Arbeitsprobe als Hinweis. Wie so ein Anschreiben aussieht, steht unter Drehbuch einreichen.
  4. Über andere Krimireihen Erfahrung sammeln. Vorabendkrimis und Krimiserien produzieren viele Folgen pro Jahr und arbeiten mit mehr Autoren. Wer dort zuverlässig liefert, wird für Redaktionen sichtbar.
  5. Nachwuchsprogramme und Wettbewerbe nutzen. Stoffentwicklungsprogramme, Drehbuchpreise und Filmhochschulen bringen dich in Kontakt mit Redaktionen und Produzenten – oft der Weg, auf dem der erste Auftrag entsteht.

Achtung: Ein „Spec-Tatort“ mit bestehenden Ermittlern ist eine gute Übung, aber kein verkäufliches Produkt. Biete ihn höchstens als Arbeitsprobe an, wenn du gefragt wirst – und nie öffentlich.

Den Tatort als Schreibschule nutzen

Auch wenn du nie für die Reihe schreibst: Der Tatort ist ideales Studienmaterial, weil jeden Sonntag ein neues Beispiel läuft und viele Folgen in der Mediathek abrufbar sind. So nutzt du ihn:

  • Struktur mitschreiben. Notiere beim Ansehen mit Uhrzeit: Wann wird die Leiche gefunden? Wann kippt die Ermittlung? Wo liegt der Mittelpunkt, wo der Tiefpunkt der Kommissare? Vergleiche das mit den Plot Points aus dem Drehbuch-Aufbau.
  • Szenen zurückschreiben. Nimm eine Verhörszene und schreibe sie im Drehbuchformat ab. Du merkst schnell, wie wenig Text eine starke Szene braucht und wie viel über Handlung erzählt wird.
  • Figurenbögen verfolgen. Sieh dir mehrere Folgen desselben Teams hintereinander an. Was bleibt gleich, was entwickelt sich? Genau das muss ein Autor bedienen, der für das Team schreibt.

Komplette Tatort-Drehbücher sind nur selten öffentlich zugänglich. Wenn du echte Drehbuchseiten lesen willst, findest du unter Drehbücher lesen Quellen für veröffentlichte Bücher.

Vertrag, Mitsprache und Honorar

Wer einen Tatort-Auftrag bekommt, schließt den Vertrag in der Regel mit der Produktionsfirma, die im Auftrag des Senders produziert. Für Auftragsproduktionen der ARD und der ARD Degeto gelten seit dem 1. Januar 2025 „Standards und Leitlinien“ zur Zusammenarbeit mit Drehbuchautorinnen und -autoren, abgestimmt mit dem Deutschen Drehbuchverband und der Produktionsallianz. Sie sollen Autoren über die reine Stoffentwicklung hinaus in die Produktion einbeziehen und ihre Sichtbarkeit bei der Veröffentlichung verbessern. Die Honorare für einen 90-minütigen Fernsehfilm bewegen sich in einer Größenordnung, über die der Deutsche Drehbuchverband mit seinen Vergütungsregeln informiert; verbindliche Zahlen nennen wir hier bewusst nicht. Lass einen Vertrag vor der Unterschrift vom DDV oder einer Anwältin für Urheber- und Medienrecht prüfen – diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Kann ich ein Drehbuch für den Tatort einreichen?

Ein offenes Einsendeportal gibt es nicht, und die Figuren gehören dem Sender. Möglich ist, mit einem Exposé auf die zuständige Redaktion oder die Produktionsfirma eines Teams zuzugehen. Bessere Chancen hast du mit eigenen Krimi-Drehbüchern als Arbeitsprobe und Erfahrung aus anderen Krimireihen.

Wer hat das Drehbuch zum Tatort heute geschrieben?

Das steht im Vor- oder Abspann unter „Buch“ und meist in den Programm- und Presseinformationen der ARD zur Folge. Ältere Folgen findest du mit Stabangaben auch auf filmportal.de.

Wie lang ist ein Tatort-Drehbuch?

Ein Tatort dauert rund 90 Minuten. Nach der Faustregel eine Seite pro Minute hat das Drehbuch damit etwa 90 Seiten im Standardformat.

Wie lange dauert es, bis aus einer Idee ein Tatort wird?

Exposé, Treatment und Drehbuch durchlaufen jeweils mehrere Fassungen mit Redaktion und Produktion; danach folgen Vorbereitung, Dreh und Schnitt. Zwischen erster Idee und Ausstrahlung liegt deshalb meist mehr als ein Jahr.

Quellen

  1. Planet Schule (SWR): Tatort Film – Wie entsteht ein Tatort? – https://www.planet-schule.de/schwerpunkt/tatort-film/ (abgerufen 25.10.2026)
  2. Planet Schule: Filmskript „Redaktion / Produktion / Besetzung“ zum Stuttgarter Tatort „HAL“ – https://www.planet-schule.de/schwerpunkt/tatort-film/redaktion-produktion-besetzung-film-102.docx (abgerufen 25.10.2026)
  3. Wikipedia: Tatort (Fernsehreihe) – Geschichte, beteiligte Sender, Autoren – https://de.wikipedia.org/wiki/Tatort_(Fernsehreihe) (abgerufen 25.10.2026)
  4. HORIZONT (30.10.2017): ARD will nur noch zwei experimentelle Tatorte pro Jahr – https://www.horizont.net/medien/nachrichten/Neue-Vorgaben-ARD-will-nur-noch-zwei-experimentelle-Tatorte-pro-Jahr-162243 (abgerufen 25.10.2026)
  5. ARD und ARD Degeto: Standards und Leitlinien zur Zusammenarbeit mit Drehbuchautor*innen (gültig ab 01.01.2025) – https://drehbuchverband.de/assets/ard-standards_u_leitlinien-zusammenarbeit-drehbuchautorinnen_gultig-ab-01.01.2025.pdf (abgerufen 25.10.2026)
  6. filmportal.de – Datenbank zum deutschen Film – https://www.filmportal.de/ (abgerufen 25.10.2026)
  7. Deutscher Drehbuchverband (DDV) – Verträge und Vergütungsregeln – https://drehbuchverband.de/ (abgerufen 25.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Vollständig neu geschrieben und geprüft am 25.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.

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