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Was ist ein Drehbuch? Definition, Aufbau und Abgrenzung zu Exposé, Treatment, Storyboard

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 4 Minuten3 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Definition
  2. Was drinsteht
  3. Was nicht drinsteht
  4. Abgrenzung
  5. Arten von Drehbüchern
  6. Kurze Geschichte
  7. Wer mit dem Drehbuch arbeitet
  8. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Drehbuch ist die szenische Textgrundlage eines Films: Ort, Zeit, sichtbare Handlung und gesprochener Dialog, Szene für Szene.
  • Es enthält keine Gedanken, keine Erzählerstimme, keine Kameraanweisungen – das unterscheidet es vom Roman und von der Drehfassung.
  • Vorstufen sind Logline, Exposé und Treatment; Folgestufen Drehfassung, Storyboard und Drehplan.
  • Das Drehbuch ist ein Werkzeug für rund hundert Menschen – deshalb das strenge Format.

Das Wort sagt es fast: ein Buch, nach dem gedreht wird. Aber was genau steht drin, was nicht, und wie unterscheidet es sich von all den anderen Papieren, die ein Film erzeugt – Exposé, Treatment, Storyboard, Drehplan? Diese Seite ist die Grundlage für alle anderen.

Definition

Ein Drehbuch (englisch screenplay oder script) ist die schriftliche, szenisch gegliederte Vorlage für einen Film oder eine Fernsehproduktion. Es legt für jede Szene fest, wo und wann sie spielt, was sichtbar geschieht und was gesprochen wird. Es ist das Dokument, aus dem Regie, Schauspiel, Kamera, Ausstattung, Kostüm, Ton und Produktion ihre Arbeit ableiten – und das, was Redaktionen und Förderer beurteilen, bevor Geld fließt. Rechtlich ist es ein Sprachwerk nach § 2 UrhG, dessen Urheber der Autor ist.

Was drinsteht

  • Szenenüberschriften: INNEN oder AUSSEN, Ort, Tageszeit. Sie gliedern den Film in Drehorte und Zeiten – die Produktion plant danach.
  • Handlung: Was zu sehen und zu hören ist, im Präsens, knapp. Figuren beim ersten Auftritt mit Alter und Kern.
  • Dialog: Was gesprochen wird, mit Figurenname, gelegentlich einer Klammer für den Ton.
  • Übergänge: selten – Aufblende, Abblende, einzelne Überblendungen.

Das ist alles. Ein gutes Drehbuch von 90 Seiten besteht aus diesen vier Elementen und nichts sonst. Wie sie aussehen: Drehbuch-Format, Beispielseiten.

Was nicht drinsteht

  • Gedanken und Gefühle. „Lena ist verzweifelt“ kann niemand drehen. Das Drehbuch zeigt, was Lena tut.
  • Erzählerstimme. Es sei denn, der Film hat eine (Voice-over) – dann steht sie als Dialog.
  • Kamera, Schnitt, Musik. Einstellungsgrößen, Schwenks, Zooms, Songs: Entscheidungen von Regie, Kamera und Schnitt. Im Spec Script stören sie; in der Drehfassung dürfen sie stehen.
  • Vorgeschichte, die nicht im Film ist. Was vor Szene 1 war, erfährt der Zuschauer nur, wenn Figuren es zeigen oder sagen.
  • Schmuck. Metaphern, lange Beschreibungen, Stimmungsmalerei. Ein Drehbuch wird nicht gelesen, um schön zu sein, sondern um schnell zu zeigen, was der Film ist.

Abgrenzung

DokumentWas es istWannLänge
LoglineDie Geschichte in 1–2 Sätzenganz am Anfang; für Pitch und Anschreiben1–2 Sätze
ExposéDie Geschichte in Prosa, mit Endevor dem Drehbuch; Grundlage für Einreichen1–3 Seiten
TreatmentDie Geschichte Szene für Szene in Prosa, ohne Dialogzwischen Exposé und Drehbuch; oft vertraglich10–30 Seiten
DrehbuchSzenen mit Handlung und Dialog im StandardformatKern der Entwicklung90–120 Seiten Spielfilm
Drehfassung (Shooting Script)Das abgenommene Drehbuch mit Szenennummern und Produktionsanmerkungenvor dem Drehwie Drehbuch
StoryboardGezeichnete EinstellungenVorbereitung durch Regie/KameraBilder
DrehplanReihenfolge und Termine der DrehtageProduktionTabelle
RomanErzählte Prosa mit Innenwelt und Erzählereigenständiges Werk; Vorlage für Adaptionen80.000+ Wörter
TheaterstückDialogtext mit wenigen Regieanweisungen, für die Bühneeigenständiges Werkvariabel

Alle Vorstufen erklärt: Exposé, Treatment, Logline. Die Begriffe im Detail: Glossar.

Arten von Drehbüchern

  • Spec Script: auf eigenes Risiko geschrieben, ohne Auftrag – das, was Anfänger schreiben.
  • Auftragsdrehbuch: im Auftrag einer Produktion oder eines Senders, in Fassungen entwickelt und bezahlt.
  • Adaption: nach einer Vorlage (Roman, Theaterstück, Reportage, Spiel) – braucht die Rechte an der Vorlage.
  • Original: nach eigener Idee.
  • Serienbuch: Folgen nach einer Serienbibel; bei Serien schreiben oft mehrere Autoren in einem Writers' Room.
  • Dokumentarfilm-Drehbuch: eher Konzept und Struktur als Dialog; häufig zweispaltig.
  • Werbe- und Erklärfilm-Skript: zweispaltig, in Sekunden; andere Konventionen.

Kurze Geschichte

Die ersten Filme um 1900 brauchten kein Drehbuch; ein Zettel mit der Handlung reichte. Mit längeren Stummfilmen entstanden „Szenarien“ mit Zwischentiteln; der Tonfilm ab 1927 machte den Dialog zum Kern und erzwang das Format, das wir heute kennen – entstanden in den Hollywood-Studios der 1930er, in Courier, weil die Schreibmaschine es so lieferte. Die Theorie kam später: Lajos Egri (1946) über Figuren und Prämisse, Syd Field (1979) über die Drei-Akt-Struktur, Robert McKee und Christopher Vogler in den 1990ern. In Deutschland prägten das Fernsehen und seine Redaktionen den Entwicklungsprozess mit Exposé und Treatment, der heute üblich ist.

Wer mit dem Drehbuch arbeitet

Die Regie plant Inszenierung und Einstellungen; die Schauspieler lernen Text und bauen Figuren; die Kamera plant Licht und Bewegung; Szenenbild, Kostüm und Requisite lesen die Szenenüberschriften und Handlungsabsätze auf alles, was gebaut, gekauft, genäht werden muss; die Produktionsleitung zerlegt das Drehbuch in Drehtage und rechnet jede Seite in Geld um; die Redaktion prüft, ob es zum Sendeplatz passt; Förderer und Finanzierer, ob es ihr Geld wert ist. Deshalb ist das Format so streng und die Sprache so knapp: Jeder dieser Leser soll in einer Stunde finden, was er braucht. Mehr dazu, wie du eines schreibst: Wie schreibt man ein Drehbuch?

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Drehbuch und Treatment?

Das Treatment erzählt die Geschichte Szene für Szene in Prosa, ohne Dialog, auf 10–30 Seiten. Das Drehbuch ist die szenische Fassung mit Handlung und Dialog im Standardformat, 90–120 Seiten für einen Spielfilm.

Was ist der Unterschied zwischen Drehbuch und Storyboard?

Das Drehbuch ist Text, das Storyboard sind gezeichnete Einstellungen. Das Storyboard entsteht aus dem Drehbuch und gehört zur Regie- und Kameraarbeit, nicht zum Schreiben.

Wie unterscheidet sich ein Drehbuch von einem Roman?

Der Roman hat Innenwelt, Erzähler und Sprache als Selbstzweck; das Drehbuch zeigt nur, was sichtbar und hörbar ist, in knappem Präsens, und ist ein Werkzeug für ein Team. Ein Roman hat 80.000 Wörter und mehr, ein Drehbuch etwa 20.000.

Quellen

  1. § 2 UrhG – Geschützte Werke – https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__2.html (abgerufen 10.10.2026)
  2. Field, Syd: Das Drehbuch. Die Grundlagen des Drehbuchschreibens (dt. Ausgabe, Autorenhaus Verlag) – https://www.autorenhaus.de/ (abgerufen 10.10.2026)
  3. Fountain – Syntax – https://fountain.io/syntax/ (abgerufen 10.10.2026)
Redaktion Drehbuchschreiben.org (Tom Schäfer, Mitautor von „Vom Kopfkino zum Drehbuch“). Vollständig neu geschrieben und geprüft am 10.10.2026. Angaben zu Verträgen und Honoraren ohne Gewähr.

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